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<title>Balalaika</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Balalaika</span></h1>
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<p>Die <b>Balalaika</b> (<span style="font-style:normal;font-weight:normal"><a href="Russische_Sprache" title="Russische Sprache">russisch</a></span> <span lang="ru-Cyrl" class="Cyrl" style="font-style:normal">балалайка</span>, Mehrzahl <i>Balalaiken</i> oder <i>Balalaikas</i>) ist eine Schalenlanghals<a href="Lauteninstrument" title="Lauteninstrument">laute</a>, die vor allem in <a href="Russland" title="Russland">Russland</a> gespielt wird. Das <a href="Zupfinstrument" title="Zupfinstrument">Zupfinstrument</a> hat drei <a href="Saite" title="Saite">Saiten</a>, seltener drei Doppelsaiten, und einen dreieckigen <a href="Resonanzk%C3%B6rper" title="Resonanzkörper">Resonanzkörper</a> mit sehr kleinem Schallloch. Im Westen ist die Balalaika vor allem als charakteristisches Instrument der russischen Volksmusik bekannt. In Russland gilt sie darüber hinaus als vollwertiges Instrument der <a href="E-%2C_U-_und_F-Musik#E-Musik" class="mw-redirect" title="E-, U- und F-Musik">E-Musik</a>, das ähnlich wie die Gitarre auch an Hochschulen studiert werden kann.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Herkunft">Herkunft</h2></div>
<p>Möglicherweise wurden Lauteninstrumente von den <a href="Mongolen" title="Mongolen">Mongolen</a> aus Zentralasien nach <a href="Russland" title="Russland">Russland</a> gebracht. Die Balalaika bis zum 19. Jahrhundert war mit der wohl im 17. Jahrhundert eingeführten zentralasiatischen Langhalslaute <a href="Dombra" title="Dombra">Dombra</a> verwandt. Frühe Darstellungen zeigen die Balalaika mit zwei bis sechs Saiten. Die frühen Balalaikas waren mit verschiebbaren Bünden versehen, wie es bei der türkischen <a href="Saz" title="Saz">Saz</a> bis heute üblich ist. Im Laufe der Jahrhunderte entwickelte die Balalaika ihren charakteristischen dreieckigen Korpus und bekam einen kürzeren Hals. Die erste namentliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1688, als laut einem Protokoll zwei Personen festgenommen wurden, weil sie „auf der Straße Balalaika spielten und sangen“.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Im Jahr 1715 wurden Balalaikas im Hoforchester von <a href="Peter_der_Gro%C3%9Fe" title="Peter der Große">Peter dem Großen</a> erwähnt.
</p><p>Die Balalaika war jahrhundertelang ein beliebtes Instrument auf dem russischen Land, besonders bei den <i><a href="Skomoroch" title="Skomoroch">Skomorochi</a></i>, einer Art von Gauklern, die den <a href="Zar" title="Zar">Zaren</a>, die russische Kirche und die Gesellschaft aufs Korn nahmen. Aus diesem Grund war das Balalaikaspiel wiederholt verboten worden.
</p><p>Mit Balalaikas werden hauptsächlich Volkslieder oder Tänze begleitet. Im späten 19. Jahrhundert begann der russische Adlige <a href="Wassili_Wassiljewitsch_Andrejew" title="Wassili Wassiljewitsch Andrejew">Wassili Wassiljewitsch Andrejew</a> (1861–1918) das kleinbäuerliche Volksmusikinstrument Balalaika für die Nutzung im klassischen Orchester zu standardisieren. Er entwickelte zusammen mit Instrumentenbauern die verschiedenen Größen und deren Stimmungen, wie sie heute auch bei großen Balalaikaorchestern verwendet werden, die <a href="Transkription_(Musik)" title="Transkription (Musik)">Transkriptionen</a> von leichteren klassischen Werken spielen. Andrejew brachte auch zwei weitere alte russische Instrumente wieder in Gebrauch: die <a href="Domra" title="Domra">Domra</a>, ein dreisaitiges Melodieinstrument, und die <a href="Gusli" title="Gusli">Gusli</a>, eine Brettzither mit dreieckigem oder trapezförmigem Korpus.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bauform">Bauform</h2></div>
<p>Wie alle Lauteninstrumente besteht die Balalaika aus einem Korpus und einem damit verbundenen Hals. Der Hals endet an einem <a href="Wirbelkasten" title="Wirbelkasten">Wirbelkasten</a> mit seitenständigen Wirbeln. Für den dreieckigen Korpus mit einem flach gewölbten Boden gibt es zwei Konstruktionsweisen:
</p>
<ul><li>Den <i>Passierbskij-Stil</i>, bei dem der Korpus aus sieben Segmenten besteht. Auf diese Art wurden die ersten chromatischen Balalaikas gebaut.</li>
<li>Der <i>Nalimoff-Stil</i>: Hier besteht der Korpus aus sechs Segmenten. Auf diese Art wird der Großteil der heutigen Balalaikas gebaut.</li></ul>
<p>Darüber hinaus gibt es vor allem bei der Prim-Balalaika eine Reihe von Varianten:
</p>
<ul><li><i>Konzertinstrumente</i> haben mindestens 24, manche 27 und maximal 31 Bünde, die obersten aber nur für die A-Saite. Das Griffbrett verjüngt sich dann einseitig bis zur Mitte des Schalllochs.</li>
<li><i>Volksinstrumente</i> sind einfacher konstruiert: Es gibt nur 16 Bünde und dadurch einen entsprechend kleineren Tonumfang. Auch fehlt das Schlagbrett.</li></ul>
<p>Prim-Balalaikas gibt es auch in einer <a href="Saitenchor" title="Saitenchor">doppelchörigen</a> Form. Diese haben dann sechs Saiten und einen volleren Klang, die Stimmung ist aber gleich. Kontrabass und Subkontrabass der Balalaika haben wegen ihrer Größe einen <a href="Kontrabass#Körperhaltung" title="Kontrabass">Stachel</a>, auf dem sie stehen.
</p><p>In der Sowjetunion wurde der Großteil der Balalaikas in zwei Fabriken gebaut: <i>Lunatscharskij</i> in St. Petersburg legte Wert auf hellere Klangfarben, während Instrumente von <i>Experimentalnaja</i> in Moskau einen dunklen, volleren Klang haben. Reichhaltige Verzierungen wie Bemalung sind ein Indiz für ein Souvenir-Instrument, bei dem wenig Wert auf einen guten Klang gelegt wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Stimmlagen">Stimmlagen</h2></div>
<p>Die moderne Balalaika gibt es in sechs Stimmlagen: <i>Piccolo, Prim, Sekund, Alt, Bass</i> sowie eine für <i>Kontrabass</i> und <i>Subkontrabass</i>. Sie kommen im Balalaika-Orchester zum Einsatz, die Piccolo nur in reinen Balalaika-Ensembles.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Übersicht_von_Balalaiken"><span id=".C3.9Cbersicht_von_Balalaiken"></span>Übersicht von Balalaiken</h3></div>
<table class="wikitable zebra">

<tbody><tr>
<th>Balalaika
</th>
<th><a href="Frequenzen_der_gleichstufigen_Stimmung" title="Frequenzen der gleichstufigen Stimmung">Stimmung der Saiten</a>
</th>
<th><a href="Tonumfang" title="Tonumfang">Tonumfang</a>
</th>
<th>Spielweise
</th></tr>
<tr>
<td>Piccolo
</td>
<td>h<sup>1</sup>, e<sup>2</sup>, a<sup>2</sup>
</td>
<td>h<sup>1</sup> bis a<sup>4</sup>
</td>
<td>Zeigefinger
</td></tr>
<tr>
<td>Prim (Volksinstrument)
</td>
<td>e<sup>1</sup>, e<sup>1</sup>, a<sup>1</sup>
</td>
<td>e<sup>1</sup> bis cis<sup>3</sup>
</td>
<td>Zeigefinger
</td></tr>
<tr>
<td>Prim (Konzertbalalaika)
</td>
<td>e<sup>1</sup>, e<sup>1</sup>, a<sup>1</sup>
</td>
<td>e<sup>1</sup> bis e<sup>4</sup>
</td>
<td>Zeigefinger
</td></tr>
<tr>
<td>Sekund
</td>
<td>a, a, d<sup>1</sup>
</td>
<td>a bis f<sup>2</sup>
</td>
<td>Daumen, Zeigefinger
</td></tr>
<tr>
<td>Alt
</td>
<td>e, e, a
</td>
<td>e bis c<sup>2</sup>
</td>
<td>Daumen, Zeigefinger
</td></tr>
<tr>
<td>Bass
</td>
<td>E, A, d
</td>
<td>E bis gis
</td>
<td><a href="Plektrum" title="Plektrum">Plektrum</a>
</td></tr>
<tr>
<td>Kontrabass,<br> Subkontrabass
</td>
<td>E<sub>1</sub>, A<sub>1</sub>, D
</td>
<td>E<sub>1</sub> bis b
</td>
<td>Plektrum
</td></tr></tbody></table>
<p>Die Subkontrabassbalalaika hat die gleiche Stimmung wie die Kontrabassbalaleika, erzielt aber durch einen größeren Klangkörper einen volleren Klang.
</p><p>Die Saiten sind bei den drei kleinsten Formen gemischt aus Darm (heute meist Nylon) und Stahl, bei den größeren aus Stahl und umwickeltem Stahl.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Spielweise">Spielweise</h2></div>
<p>Die Balalaika wird wie eine <a href="Gitarre" title="Gitarre">Gitarre</a> angeschlagen und kann Akkorde und Melodien spielen. Die kleinen Balalaikas spielen gewöhnlich die Melodie. Weil sie keine langen Töne halten können, erzeugt sie der Spieler durch mehrmaliges rasches Anschlagen der Saite. Eine charakteristische Technik des Balalaikaspiels besteht darin, mit dem linken Daumen die tiefen Saiten von oben zu greifen (insbesondere beim Spielen von Akkorden). Dadurch ist es möglich, bei gleich bleibendem Fingersatz sowohl die Melodiestimme als auch eine dazu harmonierende Stimme zu spielen, die der Melodie im Abstand einer Terz folgt. Wann immer der Daumen die beiden tieferen Saiten greift, können die vier übrigen Finger ganz ohne Beeinträchtigung den Melodielauf spielen. So kann man bei langsameren Passagen jeden einzelnen Melodieton harmonisieren, bei schnelleren Passagen jeden zweiten oder vierten.
</p><p>Bekannte Balalaikaspieler sind <a href="Michail_Ign%C3%A1tieff" title="Michail Ignátieff">Michail Ignátieff</a> (1910–1991), Bibbs Ekkel (* 1946) und Alexei Archipowski (* 1967). Außerhalb Russlands verwenden unter anderem die norwegische Folk-Rock-Band <a href="Katzenjammer_(Band)" title="Katzenjammer (Band)">Katzenjammer</a> und die Berliner Band <a href="Cosmonautix" title="Cosmonautix">Cosmonautix</a> Balalaikas.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Prima">Prima</h3></div>
<p>Die wichtigsten Spieltechniken auf der Balalaika Prima sind:
</p>
<ul><li>Die <i>Strichspielart</i>: Mit der Kuppe des rechten Zeigefingers wird gleichmäßig über alle Saiten aufwärts und abwärts geschlagen</li>
<li>Das <i><a href="Tremolo" title="Tremolo">Tremolo</a></i> wird ebenso, nur schneller ausgeführt</li>
<li><i><a href="Pizzicato" title="Pizzicato">Pizzicato</a></i> wird abwärts mit dem Daumen und aufwärts dem Zeigefinger ausgeführt</li></ul>
<p>Das <i><a href="Vibrato" title="Vibrato">Vibrato</a></i>, das mit der Kante der rechten Hand unterhalb des Stegs ausgeführt wird, das <i>Pizzicato der linken Hand</i> sowie <i><a href="Glissando" title="Glissando">Glissando</a></i> und <i><a href="Flageolettton" title="Flageolettton">Flageoletts</a></i> ergeben ein reichhaltiges Repertoire an Ausdrucksmöglichkeiten.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Secunda_und_Alt">Secunda und Alt</h3></div>
<p>Hier wird für Einzeltöne der Daumen, für Akkorde der Zeigefinger oder ein Plektrum verwendet. Diese Größen kommen nur im Balalaikorchester für Begleitfunktionen zum Einsatz.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading3"><h3 id="Bass_und_Kontrabass">Bass und Kontrabass</h3></div>

<p>Die größten Instrumente der Balalaikafamilie werden mit einem Plektrum aus Schuhleder gespielt. Im Orchester bilden sie die klangliche Basis, sie werden aber auch in kleinen Ensembles wie einem Trio aus Prim und Bass sowie <a href="Bajan" title="Bajan">Bajan</a>, dem russischen Akkordeon, verwendet. In der Folk-Pop-Band <a href="Katzenjammer_(Band)" title="Katzenjammer (Band)">Katzenjammer</a> gehört eine Bassbalalaika fest zum Sound.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Bibs Ekkel: <i>Complete Balalaika Book.</i> Mel Bay Publications, Fenton (Missouri) 2016, ISBN 978-0-78669499-0.</li>
<li><a href="Michael_Goldstein" title="Michael Goldstein">Michael Goldstein</a>: <i>Michail Ignátieff und die Balalaika. Die Balalaika als solistisches Konzertinstrument.</i> Zimmermann, Frankfurt am Main 1978, ISBN 3-921729-01-7.</li>
<li>Martin Kisko: <i>Balalaika.</i> In: <i>Grove Music Online,</i> 2001</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Balalaika?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Balalaika</a></span></b>&nbsp;– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><span class="noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Wiktionary"></span></span></span><b><a href="https://de.wiktionary.org/wiki/Balalaika" class="extiw external" title="wikt:Balalaika">Wiktionary: Balalaika</a></b>&nbsp;– Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen</div>
<ul><li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://balalajka.dk/en/instrumenter/balalajkaens-historie/"><i>The History of the Balalaika.</i></a> Pavlovskis Balalaikaorchester</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.bdaa.com/">Balalaika and Domra Association of America</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.balalaika.org/">Washington (D.C.) Balalaika Society</a></li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.russische-balalaika.de/"><i>Die russische Balalaika.</i></a> russische-balalaika.de</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.andreaslehmann.com/files/andreaslehmann/downloads/chord-reference-for-balalaika.pdf">Akkordtabelle</a> für die Prim-Balalaika (PDF-Datei; 45&nbsp;kB)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Martin Kiszko: <i>The Balalaika – A Reappraisal:</i> In: <i>The Galpin Society Journal,</i> Band 48, März 1995, S. 130–155, hier S. 133</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Michail_Ign%C3%A1tieff" title="Michail Ignátieff">Michail Ignátieff</a>: <i>Schule des künstlerischen Balalaika-Spiels.</i> Zimmermann-Verlag, Frankfurt (ohne Jahr)</span>
</li>
</ol>
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Normdaten&nbsp;(Sachbegriff): <a href="Gemeinsame_Normdatei" title="Gemeinsame Normdatei">GND</a>: <span class="-print"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://d-nb.info/gnd/4143930-2">4143930-2</a></span> </div>
</div></div></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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